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INTERVIEW MIT SCHWARWEL ZU UNSEREM TRICKFILM

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Der Titel eures neuen Trickfilmes ist „Leipzig von oben“ und es geht um 1000 Jahre Leipzig, Leben und Sterben, die Menschen in Leipzig. Wie passen Titel und Inhalt zusammen, weil man sich bei diesem Titel doch schon etwas anderes vorstellt?

Echt? Was denn?
„Von oben“ verstehe ich hier als Übersicht, als Überblick oder als Draufschau … und bei solchen Themen natürlich auch als Reflexion – passt doch wunderbar!
Im Moment habe ich noch den Vorteil, dass ich die Bilder ja schon im Kopf und teilweise skizziert habe und insofern weiß, dass der Titel im Film auch entsprechend bedient und illustriert wird – so, wie es im Titelmotiv ja auch schon zu sehen ist …


Ist „Leipzig von oben“ eine Weiterführung eurer Trickfilme „Richard – Im Walkürenritt durch Wagners Leben“, „1813 – Gott mit uns“ und „1989 – Unsere Heimat …“? Und wenn ja, wie gliedert sich dieser Film in den Kontext ein?

Irgendwie schon … Die Filme sind alle einzeln und auf ihr jeweiliges Thema fokussiert entstanden. Sie stehen jeder für sich allein, aber in der Art der Entstehung und der gleichzeitigen Entwicklung unseres Studios ist es doch auch eine Weiterführung.
Konkret bei „1989 – Unsere Heimat …“ habe ich ja schon die Vita meiner Familie als biografisches Grundgerüst genommen, um so ein komplexes und eigentlich ziemlich theoretisches Thema emotional zu binden – dass ich jetzt in „Leipzig von oben“ so viel mehr ins Detail gehen würde und der Film jetzt eine Quasi-Fortsetzung von „1989 – Unsere Heimat …“ ist, wusste oder gar ahnte ich vor einem Jahr aber noch nicht mal.


Deine Filme „Schweinevogel“ und „Herr Alptraum“ sind lustig und fantastisch mit knuddeligen Cartoon-Figuren, während deine letzten drei Trickfilme realistische Themen, Geschichte und Selbst-Erlebtes aufgreifen mit wirklichkeitsgetreu gezeichneten Figuren. Wie kam es zu diesem „Wandel“? Was ist das Besondere für dich an dieser Thematik und warum machst du diese zum Inhalt deiner Filme? Ist es authentischer, vor allem für den Betrachter, wenn man eigen Erlebtes künstlerisch umsetzt?

Hm. Keine Ahnung. Hat sich irgendwie so ergeben.
Die letzten Filme entstanden ja, weil es als Anstöße Jubiläen zu Wagner, 1813 und 1989 gab. Und jetzt die 1000 Jahre Leipzig – das heißt, man hat für die Themen auch eine Klientel, das das vielleicht sehen will, weil die Aufmerksamkeit ohnehin darauf gerichtet ist … Das waren und sind auch alles Themen, die mich privat so stark interessieren, dass ich mich gern auch länger damit beschäftigen und damit arbeiten wollte. Die Recherche für die Drehbücher und die Treffs mit den Themenspezies sind da immer sehr erhellend und machen Spaß. Auch das Gekniffel, wie man den sich stapelnden Wissenswust dann in eine funktionierende Geschichte packt, ist super …

Dass der Stil und der Look des Filmes und der Figuren dann dem Inhalt angepasst sein müssen, ist auch irgendwie klar – bei „1989 – Unsere Heimat …“ haben wir auch ganz bewusst mit den verschiedenen Stilen von cartoony über semi-realistic bis realistic gearbeitet, um so tiefer in die Geschichte zu führen … witzig anfangen und dann die Daumenschrauben fester ziehen …
Bei „Richard“ hab ich mir das selbst noch nicht zugetraut, weshalb der Stil durchgehend semi-realistic gehalten ist. Und bei „1813“ sind es in meinen Augen vor allem die gewählten Falschfarben, die die Handlung so intensiv wahrnehmbar machen.

Selbsterlebtes ist natürlich per se authentischer und griffiger, weil ich mich als Schreiber mit der Materie auskenne und nichts schildern brauche, was ich nur vage kenne oder mir als Bücherwissen aufhelfen muss. Es fällt mir selbst auch leichter, die Orte und Szenen dafür zu visualisieren, weil ich mich an der Realität entlanghangeln kann. Obwohl ich mich auch bei „Schweinevogel“ am realen Leben orientiert habe … der Hügel, auf dem Schweinevogels Bauwagen steht, ist der gleiche, auf dem mein Alter Ego in „Leipzig von oben“ hockt, um auf die Stadt zu schauen.
Für die meisten Sachen, die etwas umfangreicher sind, entwerfe ich Landkarten oder Miniskizzen, um mich zu orientieren. In „1813“ gibt es auch eine „geheime Landkarte“, die mir geholfen hat, mich durch die Handlung zu wursteln, da ich diese an dem Stadtgang des Pfarrers und seines Begleiters festgemacht habe, die da einen Tag unterwegs sind, um von der Dorfkirche nach Leipzig und zurückzukommen.


Leben und Sterben, Krankheit und Tod. Warum hast du dich entschieden, dich damit in deinem neuen Trickfilm auseinanderzusetzen? Sind das nicht Tabuthemen in unserer Gesellschaft, über die niemand so wirklich in der Öffentlichkeit sprechen und sich persönlich selbst damit auch nicht auseinandersetzen möchte? Ist es ein Ansatzpunkt, mit einem Trickfilm dies aufzuweichen?
Warum ist es wichtig, dass sich jeder Mensch dem nicht verschließt?

Keine Ahnung, ob sich andere damit auseinandersetzen wollen. Ich fänds schön, wenn es jeder täte, weil dann auch dem Leben mehr Achtung entgegengebracht werden würde.
Ich selbst beschäftige mich mit dem Tod schon, so lange ich denken kann … Sicher durch Verlustängste hervorgerufen und später durch die Tode von Menschen und Tieren in meinem Leben weiter befeuert, aber es gab eigentlich nie eine Zeit, in der das für mich nicht Thema war. Bspw. meine Faszination für Horrorfilme, -bücher und -comics kommt auch durch dieses scheinbare Mysterium des Endlichen, des Absoluten, der Leere, wasauchimmer. Das macht erst mal Angst, logo.
Natürlich ist mir klar, dass echte Krankheit, echtes Sterben und der echte Tod jetzt nicht die Themen sind, bei denen sofort jeder freudestrahlend „Hurra!“ schreit und hernach plaudernd ins Gespräch einstimmt, weshalb ich auch selbst etwas gehadert habe, als mir schließlich klar war, dass genau das die Drehbuchidee für „Leipzig von oben“ sein würde. Das Sterben meines Vaters und unser – also auch sein – Umgang mit der Situation waren jedoch so natürlich und es fühlte sich alles den Umständen entsprechend richtig und okay an, dass mir das ein guter Stoff schien, den man auf dem Wege eines solchen Trickfilmes mit anderen teilen kann – auch um vielleicht sogar Ängste zu nehmen oder eine erste Handreiche geben zu können.
Der momentane Umgang mit Leiden und Tod in unserer Gesellschaft ist leider genau so technisch und abstrakt wie die Fleischproduktion – am Besten, sowas findet weit weg von der Mitte der Gesellschaft statt, weil es so unangenehm und unheimlich ist. Bitte nicht dran denken!
Aber warum nicht? Es betrifft uns schließlich alle, jeden Einzelnen. Da wäre es doch viel sinnvoller, wir lüften mal den Vorhang und lassen frische Luft rein.
Wenn unser Film dabei helfen kann, ein normaleres Verhältnis zu Krankheit, Sterben und Tod zu finden, wäre das großartig.


Ist es für dich nicht unglaublich schwierig, den Tod deines Vaters, sein Sterben und die Erinnerung an euer gemeinsames Erleben und Leben in einem Film zu verarbeiten und noch dazu zeitlich so nah am Geschehenen – du schriebst dein Drehbuch ja, während du am Sterbebett deines Vaters wachtest? Oder ist es deine Verarbeitung mit seiner Krankheit und seinem Tod – ohne dass es eine persönliche Nabelschau ist, sondern eine allgemeingültige Geschichte für alle Zuschauer, die in jedem etwas hervorruft?

Die Situation beim Drehbuchschreiben in der Küche meiner Eltern, mit meinem Vater und meiner Mutter im Wohnzimmer und meiner Schwester und meinem Neffen oben im Schlafzimmer war schon etwas surreal. Andererseits fühlte es sich auch vollkommen normal an – und nur deshalb hab ich den angefangenen Text auch bis zum Morgengrauen bis zu Ende durchgezogen.
Wenn es sich falsch angefühlt hätte, hätte ich die Idee sofort begraben.
Allen Beteiligten bzw. zu Handlungsträgern Gewordenen habe ich das Skript auch zu lesen gegeben, bevor wir weiter damit gearbeitet haben, weil ich dafür schon den „Familiensegen“ haben wollte, da alles andere nicht okay gewesen wäre. Schließlich müssen sie dann das Endergebnis mittragen, obwohl sie gar nichts dafür können. Das ist schon weit rausgewagt.
Aber wie gesagt: Solange es für alle okay geht, ist es in Ordnung.
Und ich glaube, die Beschäftigung mit dem Skript und jetzt dem Film hilft uns allen auch dabei, mit dem Tod meines Vaters klarzukommen, wobei ich da tierisch aufpasse, dass es kein öffentliches Auswalzen der eigenen „Leidensgeschichte“ wird, sondern wir immer dabei sind, einen Film zu machen, der für unbeteiligte Zuschauer ein guter und schöner Film sein soll.
Einen Egotrip will ich da nicht.


Warum empfiehlst du Sterbegleitung zu Hause, in häuslicher Umgebung zusammen mit der Familie? Wie kann man sich eure familiäre häusliche Sterbebegleitung deines Vaters vorstellen, wie habt ihr dies realisiert?

Empfehlen, hmja … Letztlich hängt das sicher immer mit der Situation der einzelnen Menschen zusammen. Wir hatten das Glück, dass sowohl meine Mutter als auch meine Schwester und meine Freundin aus dem medizinischen Bereich kommen – da ist eine häusliche Betreuung im Krankheits- oder Sterbefall natürlich leichter zu realisieren als in Familien, in denen niemand mit diesem Bereich zu tun hat und dadurch ausschließlich auf Pflegedienste angewiesen ist. Da ist man ja mit dem Entleeren eines Katheders schon restlos überfordert, von Medikamentenverabreichung mal ganz abgesehen.
Als meine Mutter noch arbeitstätig war und ihre sterbende Mutter in meinem Elternhaus pflegte, ging das auch nicht lange gut, weil einfach die Zeit fehlte – das ist auch Teil des Films geworden.
Generell halte ich ein Abschiednehmen und ein würdevolles Sterben – am Besten zu Hause – schon für den Idealfall, da alle Beteiligten so auch genug Zeit haben, mit der Situation umzugehen und aktiv miterleben können, was vor sich geht. Das nimmt den Schrecken und macht das Sterben zu einem natürlichen, wenn auch schmerzhaften Prozess. Bei Abstechern ins Krankenhaus ist das einfach kaum möglich und irgendwie fühlt man sich da auf Station auch immer irgendwie reingeborgt … Mir gings jedenfalls so.
In unserem Fall will ich diese Erfahrung auf keinen Fall missen, das war sehr wichtig. Und das ging uns allen so. Auch dass seine Freunde, Bekannten und die ganze Großfamilie Zeit und Gelegenheit hatten, zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tode am Bett meines Vaters zu sitzen, so lange sie wollten, war enorm wichtig, tröstlich und hilfreich für jeden Einzelnen.
Wenn man also irgendwie die Möglichkeit hat, den Abschied von einem geliebten Menschen in seiner gewohnten Umgebung zu gestalten, würde ich jedem dazu raten, das unbedingt wahrzunehmen.

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Wie schaffst du es als Drehbuch-Autor, 1000 Jahre Leipzig-Historie in 13 Minuten Trickfilm zu packen? Welche Orte, Persönlichkeiten und Ereignisse werden Teil des Filmes sein?

Der Film ist als freie Assoziation aus Sicht des Autors erzählt, was die Möglichkeit gab, schnelle Gedankensprünge von einem Ort und einer Zeit zu anderen Orten und Zeiten zu machen. Trickfilm halte ich da auch für ein ideales Medium, weil solche Sprünge vom Zuschauer in diesem Medium auch schon durch andere Trickfilme gelernt wurden. Da braucht man das Rad nicht neu erfinden, sondern kann einfach nutzen, was bereits beim Zuschauer vorhanden ist.
Insofern hatte ich da auch keinerlei Beschränkungen in der Darstellung und wir können tatsächlich aus den Vollen der 1000 Jahre Stadtgeschichte schöpfen.
Hauptsächlich geht es natürlich um die Zeiten und Orte von Leipzig, die die sechs Generationen erlebten und erleben, zu denen ich einen direkten persönlichen Bezug habe, aber das strahlt natürlich und wird auch immer von der Vergangenheit gespeist.
Ich bin mir sicher, dass das für den Zuschauer gut funktioniert und sehr unterhaltsam sein wird.

 

Was ist für dich das Besondere an Leipzig und seinen Bürgern?

Uh, jetzt muss ich aufpassen, was ich sage … denn eigentlich versuche ich in der Geschichte die Verwobenheit von Lebensgeschichten und Schicksalen und Orten zu zeigen, die sich letztlich an jedem Ort der Welt abspielen könnten – in diesem speziellen Fall geht es aber eben um eine Familie, deren Leben sehr eng an Leipzig geknüpft ist, weshalb nicht der Berliner Fernsehturm oder der Hamburger Hafen einen Bezugsort für Erinnerngen bietet, sondern eben das Völkerschlachtdenkmal, die Thomaskirche oder der Augustusplatz.
Davon ab liebe ich es einfach, in Leipzig zu leben – nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu doof, nicht zu schlau … das Flair der Messestadt hängt schon noch irgendwie drin und auch Dank der Uni, der HGB und der HTWK ist immer ein Kommen und Gehen, was zu einer größeren Offenheit gegenüber der Welt führt.
 
 
LEGIDA/PEGIDA und die 1989-Demos sind Bestandteil von „Leipzig von oben“. Wie hast du die Reaktion der Leipziger darauf empfunden? Warum waren die Reaktionen in anderen Städten, bspw. Dresden, deines Erachtens so unterschiedlich?

Das hängt in Leipzig sicher mit den eben erwähnten jahrhundertelang trainierten Weltstadt-Bestrebungen als Messe- und Universitätsstadt zusammen – die jedoch im Dritten Reich wie überall anders ausgehebelt wurde. Wenn ich selbst aber heute eine Vielzahl an Kulturen und Lebensentwürfen nebeneinander im normalen Alltag als gegeben wahrnehme und da schon als Kind hineinwachse, komme ich gar nicht auf die Idee, jemanden nach haarsträubenden Kriterien ausgrenzen zu wollen.
Aber da kann ich nicht für alle sprechen – auch in Leipzig und Umgebung gibt es leider noch viel zu viele ewig Gestrige, nicht Abgeholte und Menschen, die sich – aus Unwissen, niederen Beweggründen oder gefühlter oder tatsächlicher sozialer Benachteiligung – lieber von ihrer Angst und ihren Aggressionen leiten lassen – das ist leider auch viel einfacher als danach zu streben, in einer lebenswerten, offenen, toleranten Gemeinschaft leben zu wollen und sich dafür auch täglich aktiv einzusetzen: sei es durch das Benennen von Alltagsrassismus, durch Vorleben von kultureller Toleranz oder durch politische und kulturelle Bildungsangebote aus Eigeninitiative.
Über Dresden oder andere Städte mag ich mir da kein Urteil erlauben – da kenne ich mich zu wenig in den Dresdner Köpfen aus … von Connewitz aus betrachtet ist es jedoch sehr, sehr seltsam, was die Menschen da angetrieben bzw. antreiben mag und vor allem, warum da nicht sofort im Herbst 2014 ein deutliches Zeichen dagegen gesetzt wurde. Verfehlte Migrationspolitik des Landesregierung könnte da eventuell einer der Gründe sein …

 

Warum hast du Mendelssohn-Bartholdy als Filmmusik ausgewählt?

Um Richard Wagner zu ärgern.
Und weil er als maßgeblicher Gewandhauskapellmeister eine wichtige Leipziger Persönlichkeit ist.
Und weil seine Musik toll ist – was mein Vater genauso empfand.
Und weil Bach zu einfach gewesen wäre.
Und weil er ein deutscher Jude war.
Und weil das ausgesuchte Musikstück von Kurt Masur als einem seiner wichtigsten Nachfolger am Gewandhaus dirigiert wurde.
Es passte einfach.

 

Wie ist die Stilistik des Filmes?

Wir setzen unseren klassischen 2D-Trickfilmstil der bisherigen Filme fort, wobei wir uns natürlich neuen Techniken nicht verschließen, aber ich finde es nach wie vor sehr reizvoll und dem Auge angenehm, wenn man das Handwerk sieht, aus dem die Filmbilder entstehen: aufwändig handgezeichnete Vollbildanimationen, am Rechner einzeln handkoloriert, mit friemeligen Schattenlayern für die Raumtiefe … Das hat alles immer einen warmen Touch und die Imperfektion der handgezeichneten Einzelbilder gibt den Animationen eigentlich immer erst genau diesen Lebenshauch, den sie für mich brauchen.
Natürlich gehen wir in der Endbearbeitung noch mal mit allerlei technischem Schnickschnack ran und wir arbeiten für die Raumtiefe mit Unschärfen und teilweise in 3D-Räumen, aber es soll immer klar erkennbar bleiben, dass das handgemachter Zeichentrick ist.

 

Warum bevorzugst du 2D statt 3D? Was ist der Unterschied und kann man mit 2D eine intensivere authentischere Wirkung erzielen? Warum werden deines Erachtens keine bzw. nur noch sehr wenige klassische 2D-Filme produziert?

Für mich ist es unendlich schade, dass mit „Chihiro“-Schöpfer Hayao Miyazaki altersbedingt der letzte Großmeister der 2D-Vollanimation den Bleistift an den Nagel hängt und es ist mir vollkommen unverständlich, wieso ein Traditionsbetrieb wie Disney seine 2D-Studios schließen kann, um fortan nur noch in 3D produzieren zu wollen. Das ist für mich schädlicher Fortschrittswahn, durch den die Basis des Handwerks in Vergessenheit geraten wird.
3D kann viel, aber nicht alles. Und 2D ersetzen schon mal gar nicht.
Die E-Gitarre hat ja auch nicht die Akkustikgitarre ersetzt – es ist ein anderes Instrument, dem man andere Töne hervorzaubern kann.
Ehrlich gesagt langweilen mich die momentanen 3D-Animationsfilme ein wenig, was für mich vor allem daran liegt, dass da eine „Wer-hat-den-Längsten“-Mentalität zu Tage tritt, weil Disney/Pixar, Sony, DreamsWorks und wie sie alle heißen technisch alle so hoch aufgerüstet sind, dass es momentan eher darum geht, seine neuesten Programmierspielereien herzuzeigen statt gute Geschichten zu erzählen. Die Witzchen sind meistens Massenware, die Stories vorhersehbar und die aufgeklebte Moral der Geschicht eher zum Heulen.
Ich hoffe inständig, dass sich alle noch zu meinen Lebzeiten wieder beruhigt haben werden und endlich wieder damit anfangen, gute Drehbücher zu verfilmen und dafür genau den technischen Firlefanz dafür einsetzen, der notwendig ist, um die Geschichte zu transportieren.
Mir ist dabei natürlich klar, dass es sich um eine Filmi-n-d-u-s-t-r-i-e handelt und dass da die Maschinen immer Volldampf laufen müssen und immer weiter produziert wird, um die Aktionäre zu beruhigen, aber so ein bisschen mehr Inhalt und ein bisschen weniger Technik würde den Filmen nicht schaden.
Das hat mir an den letzten Miyazaki-Produktionen ja gerade so gefallen: da kam ebenso 3D zum Einsatz, aber es wurde behutsam ins Bild integriert und tauchte da auf, wo es dramaturgisch wichtig ist. Bei „Futurama“ oder im letzten „Spongebob“-Film ist dieses Spielen mit 2D und 3D auch toll umgesetzt. Ich finde es immer geil, wenn ich eine Szene sehe und dabei denke: „Verdammt, wie haben die das gemacht?“ Bei den glattgelutschten Hochglanzanimationen, die ich in letzter Zeit gesehen habe, habe ich mich das einfach nicht gefragt – da sah alles irgendwie supertoll und dadurch auch beliebig aus. Verschenkte Chancen.

 

Gibt es zu „Leipzig von oben“ vergleichbare Filme bzw. Filme, die dir als Vorlage dienen?

Nicht direkt, nein. Ich kenne jedenfalls keinen.
Wenn uns auch nur ansatzweise eine Stimmung wie bei „Die letzten Glühwürmchen“, „Mein Nachbar Totoro“ oder „Barfuß durch Hiroshima“ gelingt, bin ich schon mehr als zufrieden.
Der Film soll ja kein zentnerschweres Monster werden, dass keiner ein zweites Mal gucken will – es soll Spaß machen ihn zu sehen. Auch beim zweiten und dritten Mal.
Ob das gelingt, werden wir in ein paar Monaten wissen, aber ich bin sehr zuversichtlich.

 

Wird deine Trickfilm-Figur Schweinevogel wieder eine Gastrolle übernehmen?

Ja, wird er. Die letzten Filme hat er mal eine Weile ausgesetzt, nachdem er in sehr vielen Musikvideos und sogar ganz kurz bei „Herr Alptraum“ immer seine Cameos hatte, aber bei „Leipzig von oben“ wollte er es sich auf keinen Fall entgehen lassen, auch seinen Senf dazuzugeben – schließlich ist er ja auch ein Sohn dieser Stadt.
Naja, und sein Mitbewohner Iron Doof natürlich auch …

 

Hat deine vegane Lebensweise Einfluss auf deine Arbeit und auf „Leipzig von oben“ und wenn ja wie?

Indirekt sicher. Viele inhaltliche Themen des Films checke ich auch aus dieser Perspektive ab, einfach weil das schon zur Gewohnheit geworden ist. Aber 100% vegan produziert kann der Film gar nicht sein, da von den Leuten in unserem Team jeder seine eigene Lebensweise hat, die er bitte auch behalten soll. Im Studio selbst gibt es keinen Fleisch-, Wurst-, Ei- oder Käseverzehr, aber unsere Head Of Art Department Chrisse hat bspw. ihre Milch für den Kaffee im Kühlschrank und Animator Dirk verschwindet schon mal ums Eck, um sich tote Tiere als Mahlzeit zu kaufen – ist ihr Ding. Für mich selbst muss ich das nicht mehr haben.

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Wie kann man sich den Ablauf eurer Trickfilmproduktion vorstellen?

So geordnet wie möglich und immer hübsch der Reihe nach: Erst das Drehbuch und die ersten Moods, dann Storyboards zeichnen und beschriften, die Pilotspur des OFF-Sprechers aufnehmen, die ersten Sound-FX aus der Wichtig-Liste zusammensuchen und die lizensierte, bereits existente Musik besorgen, daraus den Animatic – also die „verfilmten Storyboards“ – zusammenbauen. Wenn das soweit fertig ist, geht es zur Ansicht an alle Bedenkenträger und parallel dazu ersetzen wir ab da Szene für Szene des Animatic mit den frisch gezeichneten, kolorierten und animierten Sequenzen – mal bereits mit und mal noch ohne Backgrounds, abhängig davon, ob die Charaktere und die Hintergründe stark miteinander interagieren müssen. Neu geschriebene Musik und weitere Sound-FX kommen dann peu à peu dazu und irgendwann sind alle Szenen drin.

Dann kommt der Feinschliff, wo wir noch mal die Timings anpassen, Szenen ein paar Frames länger oder kürzer machen, Überblendungen oder Trucks und Zooms ausprobieren oder auch mal eine komplette Szene über den Haufen schmeißen – das ist aber eher selten, da wir durch den Animatic immer schon sehr genau wissen, ob die Handlung funktioniert.
Auch diese Version wandert noch mal zur Ansicht an all diejenigen, die ein Mitspracherecht haben, damit wir nichts übersehen.

Zeitgleich machen wir noch mal einzelne Kontrollgänge, indem u. a. Chrisse als Head Of Art Deparment, Sandra als Produzentin und ich als Regisseur jeder für sich alles mehrfach durchguckt, um möglichst alle Fehler aus allen Bereichen zu finden: falsche Farben, verkehrt eingesetzte Ebenen, Schnittfehler, Animationsfehler, vergessene Töne … Die Liste an Sachen, die man übersehen kann, ist beinahe endlos und man wird nie alles finden können, aber zumindest können wir es auf ein für Perfektionisten halbwegs erträgliches Maß einschrumpfen. Es macht mich wahnsinnig, dass wir bei „1989 – Unsere Heimat …“ in der Szene kurz vor Schluss, wo sich die Volkspolizei vor den Demonstranten zurückzieht, übersehen haben, dass eine Lichtreklame links im Bild vor bzw. über den Demonstranten liegt, obwohl sie dahinter sein müsste. Merkt eigentlich kein Schwein, aber ich krieg jedes Mal Magenzuckungen, wenn die Stelle vor Publikum an mir vorbeirauscht.

Nach der Endkorrektur wird noch der Ton gemastert und Bildeffekte wie Vignetten und irgendwelche geheimnisvollen Strukturen auf alle Filmbilder gerechnet und dann muss man irgendwann die finale Version ausspielen, weil der Sender schon ungeduldig mit den Füßen scharrt oder ein Festival auf die HD-Version wartet. Furchtbarer Moment.
Bis dahin muss man immer dicht an der Sache bleiben und bspw. durch Auszählen der Frames aller Szenen irgendwie auspendeln, wie viel Aufwand in jeder Sekunde Film steckt.

Bei „Leipzig von oben” haben wir etwa 90 Szenen, d. h. rein rechnerisch müssten wir jeden Tag der drei Monate Hauptproduktionszeit von September bis November eine komplette Szene fertig bekommen. In Wahrheit ist es aber noch etwas komplizierter, weil es lange und kurze Szenen gibt und aufwändige sowie weniger aufwändige. Und dann gibt es die Szenen, die man durch die Storyboards und den Animatic für total simpel gehalten hat, die sich aber als Monster herausstellen, weil sie unglaublich knifflig sind und mit mega Aufwand verbunden, obwohl man ihnen das null ansah. Für solche Szenen muss man 10 Prozent der Arbeitszeit schon mal pro forma reservieren, um nicht in Teufels Küche zu kommen.

Was ich jetzt weggelassen habe, sind die normalen menschlichen Querelen, persönliche Krisen, Katastrophen, unvorhergesehene Ereignisse und technischen Probleme, die immer kommen, wenn man im totalen Stress ist. Immer. Das gehört alles dazu und muss ebenso gemeistert werden wie der eigentliche Kampf mit der Trickfilmmaterie.


Wie sind die bisherigen Reaktionen auf euer Filmprojekt?

Sehr gut und sehr intensiv.
Mit „1989 – Unsere Heimat …“ haben wir schon irgendwie ein Türchen aufbekommen, durch das die Leute einen persönlichen Bezug zwischen sich und jenem Film herstellen konnten und können. Bei „Leipzig von oben“ ist es ähnlich, der Bezug jedoch sogar noch privater, weil etwas Substantielles angestoßen wird, wo sich ein gewisses Hopp-oder-Topp-Ding einstellt. Oftmals kommt als erste Reaktion ein „Uh, sowas macht ihr?“, aber das wird meistenfalls durch ein „Wie kommen wir da zusammen?“ abgelöst, was sehr schön ist.
Wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt, aber die Türen, die sich jetzt schon geöffnet haben, sind sehr weit aufgegangen.
Ich selbst bin da eher vorsichtig mit blumigen Voraussagen, denn ich will natürlich erst mal den Film fertig bekommen, alles andere ist für mich als Regisseur Vorgeplänkel und erschwert mir genaugenommen die Arbeit, weil dadurch Erwartungshaltungen entstehen und der Druck auf unser Team und auf mich ziemlich hoch wird, obwohl ich da gern möglichst locker rangehen möchte, um nicht krampfig rüberzukommen.


Wie möchtet ihr euren Film aus- und verwerten? Welche Veranstaltungen sind bisher geplant und mit welchen Partnern arbeitet ihr zusammen?

Hach, wieder so eine Frage, die ich am Liebsten erst nach Fertigstellung beantworten würde.
Generell planen wir neben der „normalen“ Auswertung via TV und unserer Einreichungen bei Kurz- und Trickfilmfestivals vor allem die Verwendung des Films in Workshops und Seminaren, wo wir uns mit den Teilnehmern mit den angesprochenen Themen Leben und Tod, Sterbebegleitung, Trauerarbeit etc. auseinandersetzen wollen. Das ist zum einen für Schülergruppen und Jugendliche geplant, da wir inzwischen langjährige Erfahrungen mit Workshops an Schulen, Lernstuben und Weiterbildungseinrichtungen haben, zum anderen sind wir bereits in Kontakt zu Palliativstationen, Ärzten und Vereinen wie der FUNUS Stiftung oder dem Veid e. V., die sich um die Entzauberung von Tabuthemen wie dem Verlust eines Menschen und um würdevolles Sterben und den Umgang mit der notwendigen Trauer bemühen.
Konkrete Ideen und Daten gibt es da auch schon für ein paar gemeinsame Veranstaltungen.
Neben dem Film haben wir dazu auch ein Buch und eine Graphic Novel angedacht, mit denen wir die im Film angesprochenen Thematiken aufgreifen und vertiefend behandeln können – ob das klappt, hängt natürlich wie immer vor allem an der Finanzierbarkeit, da gute Bücher und Comics eben auch gutes Geld kosten, bevor sie in gedruckter Form vorliegen können.
Bei „1989 – Unsere Heimat …“ hatten wir das Glück, die Druckkosten des „Almanachs“ durch die Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen und die gemeinsame Initiative „25 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ gedeckelt bekommen zu haben – ohne diese Kostendeckung wäre so ein schönes und gelungenes Buch nicht realisierbar gewesen.
Für unsere „Leipzig von oben“-Zusatzprojekte haben wir deshalb auch ein paar Anträge zusammengestellt und in die Welt geschickt – wir drücken da die Daumen, dass wir auch hier ein paar Partner finden.


Wie kann man sich eure „Leipzig von oben“-Workshops und -Filmabende vorstellen? Was ist der Inhalt und wie sind diese aufgebaut? An welche Zielgruppe richtet ihr euch?

Prinzipiell gehen wir auch bei den „Leipzig von oben“-Thematiken genau so unverkrampft zur Sache wie schon bei unseren thematisch anders gelagerten Workshops, Filmabenden oder anderen Veranstaltungen auch. Es ist uns wichtig, da authentisch zu bleiben, dann wird sowas auch nicht doof oder unangenehm für die Teilnehmer, Besucher, Publikümmer oder auf wen auch immer wir dann treffen.
Wenn ich bei Workshops mit Schülern von einem aufkommenden Thema keine Ahnung habe, sage ich das einfach und wir finden dann gemeinsam mittels Internetrecherche und Dialog eine Lösung dafür. Das kommt in jedem Fall besser als ein ellenlanges Rumlavieren und den-Spezi-raushängen-lassen, um nicht das Gesicht zu verlieren. Bei Themen, bei denen ich mit direkt oder indirekt Betroffenen zu tun habe, schraube ich mich meist etwas zurück, damit ich keinen oder möglichst wenig Unsinn rede und niemandem unbeabsichtigt auf den Schlips trete. Eigene Schwächen zeigen lockt die Leute meist ganz gut aus der Reserve und sie können ihr Schutzschild mal etwas runterfahren. Unsere Workshops sind kein Frontalunterricht und es gibt keine festgefügte Lehrmeinung, die irgendwie durchregiert werden muss.
Stattdessen ist uns und mir bei solchen Veranstaltungen wichtig, das sich die Mitmacher bei zielorientierten Arbeiten wie einem Comic oder einer Tricksequenz mit den Inhalten auseinandersetzen, Anstöße aufnehmen und durch die Arbeit noch mal mit einem anderen Blickwinkel, einer anderen Perspektive auf die Problematiken schauen. Es ist jedes Mal erstaunlich, was das für Ergebnisse zu Tage fördert und was die Teilnehmer und wir als Veranstalter jedes Mal mit nach Hause nehmen.

Ganz konkret heißt das für die geplanten „Leipzig von oben“-Workshops und -Filmabende, dass wir hier zwei grundsätzliche Themenfelder anbieten können: „Mein Leben in meiner Stadt“ und „Leben und Sterben, Willkommen und Abschied“. „Mein Leben in meiner Stadt“ dreht sich ergo mehr darum, wie wir uns selbst in unserem Lebensraum definieren – unser Umgang mit den Eltern, der Familie, Freunden und Bekannten und welche Ort uns dabei als Markierungen dienen – wo hänge ich mit meiner Clique ab, welcher Park verbindet mich mit meinen Eltern … „Leben und Sterben, Willkommen und Abschied“ dreht sich dagegen um Themen wie Umgang mit Leiden, Krankheit und Sterben in unserem direkten Umfeld, Sterbebegleitung, aktive Trauerarbeit.
Beide Themen sind für einen schulischen Rahmen angedacht, und das zweite eigenet sich zudem noch besonders für Workshops, Seminare und Gesprächsabende mit Menschen aus dem medizinischen, palliativen oder begleitenden Bereich und natürlich für und mit Betroffenen.


Zu euren Trickfilmen gibt es meist auch ein Buch und/oder ein/e Comic/Graphic Novel bzw. erst ein Comic und dann einen Trickfilm. Habt ihr dies auch für „Leipzig von oben“ geplant und wenn ja, wie gestalten sich diese? Ist es eine 1:1-Trickfilm-Adaption oder ergänzt ihr durch die Drucksachen den Inhalt des Filmes?

Japp, wie schon vorher erwähnt, planen wir zu „Leipzig von oben“ sowohl ein Buch als auch eine Graphic Novel, da wir finden, dass dieses Thema verdient hat, dass wir es von verschiedenen Seiten aus beleuchten.

„Leipzig von oben – Der Almanach zur Heldenstadt“ wird in Größe, Aufbau und Gliederung seinem Quasi-Vorgänger „1989 – Unsere Heimat … – Der Almanach zur Friedlichen Revolution“ ähneln: Die im Film angesprochenen Themen werden auf reich illustrierten Doppelseiten von kompetenten Autoren aufgegriffen und mal persönlich, mal sachlich in knapper, informativer und unterhaltsamer Form dargelegt, mit Erklärkästchen für Fachbegriffe, mit Querverweisen und es wird wieder ein schönes Hin-und-her-blätter-Buch, das man mit und ohne Kenntnis des Films lesen und betrachten kann. Die meisten Illustrationen werden wieder aus Standbildern des Films destilliert und für den Druck neu bearbeitet, aber ich weiß jetzt schon, dass da wieder einiges Neues illustriert werden muss, damit es eine runde Sache wird.

Die geplante Graphic Novel „Leipzig von oben – Die Graphic Novel zur Heldenstadt“ erzählt die Geschichte des Films mit den Mitteln des Comics. Bereits als ich das Drehbuch zum Skript umgeschrieben habe, habe ich gemerkt, dass viele Sachen anderes erzählt und aneinandergereiht werden müssen, damit die Story für dieses andere Medium auch optimal funktioniert. Viele kleine Änderungen, die ich vor allem in der Dialogführung vorgenommen habe, wandern gerade rückwirkend in das Drehbuch, weil die Arbeit am Skript für die Graphic Novel auch gleich ein Gegencheck in Sachen Dramaturgie und Faktenwissen für den Film war.
Sehr, sehr wahrscheinlich wird die gesamte Graphic Novel neu gezeichnet werden, da ich nicht an der Breitbild-Optik des Films festhalten wollte und konnte, die bei den meisten Szenen innerhalb eines Albumformats sowieso nicht funktioniert – ein Film ist eben ein Film und ein Comic ein Comic. Ein Breitwandbild nach dem anderen wäre auch eher langweilig. Die Wirkung ist einfach komplett anders, weil der Betrachter des Films dem vorgegeben Timing unterworfen ist und der Leser vor- und zurückblättern kann.
Für „Seelenfresser – Zweites Buch: Glaube“ hatte ich bereits eine Trickfilm-Sequenz aus „Schweinevogel – Es lebe der Fortschritt!“ mit dem Maulwurf Herrn Mauli in die Graphic-Novel-Form umgearbeitet, daher weiß ich schon, was mich am Zeichentisch erwartet: sehr, sehr, sehr viel Arbeit. Aber auch viel Spaß dabei.

 
Derzeit läuft auf VisionBakery bis 16.08. eure „Leipzig von oben“-Crowdfunding-Aktion.
Wieso habt ihr euch für Crowdfunding entschieden? Für was wird das Geld gebraucht+genutzt?
Warum sollte man euer Projekt unterstützen? Was sind die Vorteile für Crowdfunder?

Trickfilm ist leider eine zeit- und geldintensive Angelegenheit, bei der man jeden Groschen gut investieren kann und der dann auch im fertigen Film zu sehen ist. Zwar haben wir bei verschiedenen Förderanstalten Filmförderung beantragt, aber obwohl wir mit diesen Anstalten bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht haben, wissen wir natürlich nicht, ob dieses Projekt auch für förderwürdig befunden wird. Das wissen wir bei keinem unserer Filme.
Die KdFS – Kulturstiftung des Freistaates Sachsen hat der Förderung bereits zugestimmt, wenn auch nicht in voller Höhe. Und deshalb machen wir das Crowdfunding: Die Summen, die wir beantragt haben, sind natürlich die, die wir noch benötigen, um den Film so umzusetzen, wie wir das geplant haben – weniger Geld heißt Abstriche machen: beim Sound, beim Aufwand der Animationen, bei der Musik … Da blutet das Filmemacherherz.
Neben dem Effekt, dass noch Produktionskosten eingespielt werden, ist Crowdfunding aber auch noch ein gutes Werkzeug, um für den Film und das, was wir mit ihm vorhaben, die Werbetrommel zu rühren.
Und schöne und wertige Gegenleistungen bieten wir auch allen Unterstpützern an – von der „Gutfühl-Tat des Tages“ über DVD-Specialeditionen mit handgezeichneten Umschlagmotiven und Einladungen zur Nachtwanderung durch Leipzigs Altstadt bis zur Logo-Präsentation in den Filmcredits ist da für jeden etwas dabei.


Für einige ist Crowdfunding keine Option, um an zusätzliches Geld für ihre Projekte zu kommen, weil es einfach zu aufwendig ist und man sehr viel Zeit+Energie investieren muss. Wie ist eure Erfahrung? Was muss man machen, um ein Crowdfunding-Projekt erfolgreich durchzuführen?

Dranbleiben. Das Crowdfunding für „Leipzig von oben“ ist unsere dritte Aktion dieser Art – davor haben wir bereits erfolgreich Crowdfunding für unseren superdicken Comic-Sammelband „Schweinevogel Total-O-Rama 2“ und gemeinsam mit Buchautor Christian von Aster für unser gemeinsames Buch „Alptraum junior und die Wonnen der Umerziehung“ gemacht und dabei ganz fix gemerkt, dass es nicht reicht, am Anfang irgendwie ein paar Texte und Fotos ins Netz zu stellen und nach Ablauf der Frist auf die Überweisung durch VisionBakery zu warten. Die Unterstützer wollen schon wissen, wen und was sie da unterstützen. Das heißt, ein Video für das Projekt muss gedreht und geschnitten werden, man muss sich attraktive Gegenleistungen für die Unterstützner ausdenken und die ebenso attraktiv abbilden, die Infos müssen regelmäßig gestreut werden, aber die Leute abnerven will man auch nicht … das ist schon richtige Arbeit und nichts, was man maleben nebenher machen kann.
Dafür bekommt man auch in jedem Fall Feedback und man kann ggf. im Crowd-Blog noch mal nachregeln, wenn man merkt, dass das Ansinnen vielleicht nicht gut oder breit genug erklärt ist, weil man sich auf der Hauptseite ja auch kurz halten will, um keine Bleiwüsten zu erzeugen.
Zudem kann man auch gegen Ende der Laufzeit neue Gegenleistungen anbieten, um auch noch andere Zielgruppen mit abzuholen – bei uns gibt es zum Beispiel in ein paar Tagen noch die kommenden neuen Schweinevogel-Schweinachtskalender-Bücher, weil olle Schweinevogel sich ja bereit erklärt hat, in „Leipzig von oben“ eine Minirolle zu übernehmen. Und da passt das ja.


Eine der Gegenleistungen ist die „Gutfühl-Tat des Tages“.
Meinst du, jeder Mensch sollte es als seine Aufgabe ansehen, Gutes zu tun bzw. danach zu streben? Und wie ließe sich das im Alltag verwirklichen?

Es wäre auf jeden Fall eine tolle Sache, wenn Eltern ihren Kindern ganz allgemein gute Vorbilder wären, was den Umgang mit allen Mitbewohnern auf diesem Planeten angeht. Weniger Egoismus, weniger Neid, weniger Groll – einfach von allem etwas weniger beanspruchen. Das würde sicher einiges einfacher machen für Mensch, Tier und Umwelt. Aber ich sitze da definitiv im Glashaus und habe auch sehr lange gebraucht, um halbwegs auf den Trichter zu kommen. Also bin ich da voll der Falsche, um wild mit dem Zeigefinger rumzufuchteln. Und was genau meint denn „Gutes zu tun“? Für mich selbst versuche ich zumindest, eher einfach zu sein, nix Überkandideltes, möglichst wenig Unnötiges, mit dem, was da ist, auskommen und das Beste daraus machen … sowas eben. Natürlich scheitere ich regelmäßig. Aufstehen, Krone richten, weitermachen.
Wie andere das handhaben, habe ich nicht in der Hand.


Danke für das Interview.

Danke ebenfalls.

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